Chränzlitracht

Chränzlitrachten Düdingen, Heitenried und Tafers

Die Chränzlitracht, eine der ältesten noch existierenden Festtagstrachten der Schweiz. Ihren Namen verdankt sie dem glitzernden „Chränzli“, welches aus Silberflitterli, farbigen Stoffblümchen, Bouillondraht, Pailletten, Schaum- und Glasperlen hergestellt ist.

Bewahrung einer lebendigen Tradition

Am Beispiel der Chränzlitracht kann man Entwicklungen und Veränderungen von Traditionen ganz besonders gut aufzeigen. Die Chränzlitracht gehört zu den ältesten und farbigsten Trachten der Schweiz. Ihre Entwicklung endet mit dem Vormarsch der Reformation. So wie sie uns heute erhalten ist, war sie, abgesehen von kleinen Veränderungen, bereits im 17. Jh. als Festtagstracht und bei hohen kirchlichen Festen anzutreffen; sie war die damals übliche Braut- und Gottentracht.

Die Entwicklung der Chränzlitracht ist sehr interessant

Die Leute vom Land nahmen früher die Vorbilder für ihre Kleider beim Landadel und bei den Städtern. Man nahm aus der herrschenden Mode jeweils nur Teilstücke heraus. Die Trachten enthalten deshalb meist Elemente verschiedener Epochen. Dies kann man in der Chränzlitracht ganz besonders gut sehen; z.B. Halskrause aus dem 16. Jh., viele Seidenbänder aus dem 18. Jh. als die Saane noch schiffbar war, die Handorgelärmel aus dem 20. Jh. 

Etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie zur kirchlichen Prozessions- und Kreuzgangstracht umgewandelt und ist uns dank diesem Eingreifen der Kirche praktisch unverändert bis heute erhalten geblieben

Die Tracht war wohl ursprünglich überall im Sensebezirk verbreitet. Heute gibt es „d’Chränzleni“ nur noch in den Pfarreien Düdingen, Tafers und Heitenried.

Heute ist diese Tracht wieder grossen Veränderungen ausgesetzt. Die Rolle und der Einfluss der Kirche haben sich in unserer Gesellschaft stark geändert. Die Chränzlitracht als Prozessionstracht und Chrüzganztracht ist wiederum in Frage gestellt, weil sich die Kirche z. Teil auch von diesen liturgischen Rythen verabschiedet.

Durch einen Zusammenschluss als eigenständige Gruppe Chränzlitrachten Düdingen, Heitenried, Tafers wurde die Chränzlitracht wiederum vermehrt Teil der Folklore.
 

Düdingen, 26. Januar 2024 / Esther Schwaller-Merkle


Präfektinnentracht

Die Präfektinnentracht ist die Festtagstracht der jungverheirateten Frauen. In Düdingen und Heitenried schreiten bei den Prozessionen unmittelbar hinter den Chränzlitöchtern noch heute die sogenannten Präfektinnen, verheiratete Frauen in der Chränzlitracht aber ohne Chränzli. Das aus dem Lateinischen stammende Wort „Präfektin“ bedeutet unter anderem auch „Aufseherin“.

Noch um die Jahrhundertwende war die Aufgabe der Präfektinnen klar umschrieben. Demnach war das Auftreten in dieser Tracht unmittelbar hinter den Chränzlitöchtern sehr symbolträchtig. Nur die vier jüngst verheirateten Frauen der Pfarrei hatten dieses Privileg, gleichsam als „Beschützerinnen“ der Chränzlitöchter aufzutreten, bis sie von Jüngeren abgelöst wurden.

Die Präfektinnentracht unterscheidet sich von der Chränzlitracht durch folgende Merkmale:
 

  • Das Chränzli, das Symbol der Jungfräulichkeit, ist ersetzt durch ein Samtkäppi, dem Tätschli , das eigentlich ursprünglich aber Bestandteil einer Mädchensonntagstracht gewesen ist und seinen Ursprung in der Mitte des 17. Jahrhundert hat;
     
  • Entsprechend der anderen Kopfbedeckung ist auch die Haartracht verschieden, indem die Zöpfe mit Hilfe eines Kamms aufgebunden sind;
     
  • Die Handorgelärmel fehlen, anstelle wird eine schwarze Ärmeljacke „ds Tschöpli“ getragen;
     
  • die Halskrause fehlt;
     
  • Das „Agnus Dei“ schliesslich wird von den Frauen auf der linken Brustseite getragen, wobei das Christusmonogramm gezeigt wird.
     

Düdingen, 26. Januar 2024 / Esther Schwaller-Merkle

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