Freiburgische Vereinigung für Tracht und Brauch

Der Freiburgische Vereinigung für Tracht und Brauch ist eine Organisation, die sich der Pflege und Bewahrung traditioneller Trachten und Bräuche im Kanton Freiburg widmet. Die Vereinigung hat eine reichhaltige Geschichte, die mit dem kulturellen Erbe und der Identität der Region tief verwurzelt ist.

Geschichtliche Entwicklung der Vereinigung

Im 1905 wurde der Schweizer Heimatschutz ins Leben gerufen. Dieser setzte sich stets ebenfalls für die Trachten ein. 1924 wurde die Kommission für Tracht und Volkstanz gegründet, als Unterkommission des Heimatschutzes, um sich ganz besonders auch der Wiedererstehung der Trachten widmen zu können. Bald lag der Gedanke an eine schweizerische Vereinigung für Tracht und Volkslied in der Luft. Diese ersetzte die Kommission und wurde 1926 selbständig. Mit dem definitiven Namen «Schweizerische Trachtenvereinigung (FCS)» löste sie sich administrativ vom Schweizer Heimatschutz.

Aus dem 1892 findet man eine Photographie, die eine Gruppe junger Mädchen und Frauen aus Bulle darstellt, die Röcke, Schultertücher, Latzschürzen, Lirons und Hauben zu neuer Ehre verhelfen. Beim ersten schweizerischen Kongress für Geschichte und Archäologie sang 1918 ein Chor unter der Leitung des noch jungen Abbé Bovet für die Gäste. Sie trugen alle die althergebrachten Trachten. Nach diesen Anfängen, dank dem Mute und der Beharrlichkeit einiger Idealisten und der nimmermüden Initiative von Dr. Henri Naef in Bulle, bahnte sich die Trachtenbewegung ihren Weg. 1928 wurde die Greyerzer Vereinigung «Association gruérienne pour le costume et les coutumes (AGCC)» gegründet und bald konnte sie Gruppen anderer Regionen aufnehmen. Sie wurde damit zum Vorläufer der Kantonal-Freiburgischen Trachtenvereinigung, die sich 1939 konstituierte. Von da an nahm die Zahl der Freiburger Trachtenleute von Jahr zu Jahr zu und entfaltete eine sich ständig steigernde Tätigkeit.

Die ersten Verfechter der Ideale und Ziele der jungen Vereinigung, die Beispiel und Ansporn waren für viele, sind der schon erwähnte Henri Naef, dann aber auch Joseph Yerly, Pierre de Zürich, Rose Jan, Peter Aeby und Rosa Schwab. Dank der schöpferischen Unterstützung durch geniale Freiburger Künstler fanden die Mitglieder eine wertvolle kulturelle Grundlage für ihre Tätigkeit. Die bekanntesten sind:
 

  • ­Abbé Joseph Bovet, dessen Liedersaat im ganzen Kanton und weit darüber hinaus so voll aufgegangen ist, dass sein «Là-haut sur la montagne» rund um die Welt bekannt ist;
  • Jo Baeriswyl, der begnadete, einfallsreiche Choreograph, der mit den bescheidenen Mitteln der verfügbaren Tänzerinnen und Tänzer wahre Wunderwerke schillernder rhythmischer Darstellungen und Bewegungen auf die Bühnen brachte;
  • Dichter, wie Paul Bondallaz, Gonzague de Reynold, Alphonse Aeby und andere, deren Texte für unzählige erfolgreiche Festspiele Anstoss waren und Freiburgs Reichtum im kulturellen Leben in strahlendem Glanz verbreiteten.

Nach dieser gedrängten Rückschau auf die Männer und Frauen, die der Freiburgischen Trachtenvereinigung zur Ehre gereichen, wollen wir uns noch bei einigen Zahlen aufhalten. Von 59 Mitgliedern bei der Gründung, stieg der Bestand 1945 auf 343, 1966 auf 639 und 1980 auf 2'350 Trachtenleute. Das sind 51 Vereine, davon 15 Tanzgruppen, 9 Chöre, 6 Gruppen, die das eine tun und das andere nicht lassen, 13 Musikgesellschaften und 8 angeschlossene Verbände, die verwandte Ziele verfolgen. Die Freiburgische Trachtenvereinigung ist der Schweizerischen Trachtenvereinigung angeschlossen.

Seit 1980 hat sich einiges getan. Es sind neue Trachtengruppen entstanden, andere haben sich aufgelöst, die meisten Chöre sind ausgetreten, ebenso die meisten Musikgesellschaften und die zielverwandten Verbände. Auch die Mitgliederzahl ist dramatisch gesunken.

Auszüge aus dem Buch von Marie-Thérèse Daniëls: «Freiburg - Die Volkstrachten des Kantons». Editions La Sarine Fribourg Suisse, 1981. 168 Seiten, auf Deutsch.

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